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Thesaurus veteris et novi Testamenti: ein druckgraphischer Schatz aus Antwerpen

Thesaurus veteris et novi Testamenti: a printed treasure from Antwerp Exhibition: 14 April - 12 June 2005

From the museum website

Die Erwerbung des Thesaurus veteris et novi Testamenti ist ein Gl├╝cksfall f├╝r das Museum der bildenden K├╝nste: Der aus zahlreichen Serien bestehende Thesaurus (lat. Schatz) gilt als ein H├Âhepunkt der niederl├Ąndischen Druckgraphik. Nahezu alle wichtigen K├╝nstler zwischen dem Tode Pieter Bruegels und dem Beginn der T├Ątigkeit von Peter Paul Rubens wirkten an dem Bilderschatz mit.

Das nun erworbene 252 Kupferstiche umfassende Exemplar schlie├čt eine L├╝cke im Bestand der Graphischen Sammlung und z├Ąhlt zu den wichtigsten Neuzug├Ąngen der letzten Jahrzehnte. Gerade im Bereich der niederl├Ąndischen Kunst war das Fehlen der Graphik des 16. Jahrhunderts sp├╝rbar, die vielen Bl├Ątter vor allem der Antwerpener Sp├Ątrenaissance sind angesichts der gro├čen kunsthistorischen Bedeutung besonders willkommen. Der Thesaurus stammt aus dem Besitz eines belgischen Privatsammlers, dessen Entgegenkommen wir ausdr├╝cklich hervorheben wollen. Der Ankauf wurde durch die IKB Bank, vor allem durch die Gro├čz├╝gigkeit des Direktors der Niederlassung Leipzig, Leo von Sahr, erm├Âglicht. Das Geschenk erinnert einmal mehr daran, welche Rolle das M├Ązenatentum in der Geschichte des Museums der bildenden K├╝nste spielte.

Der Thesaurus veteris et novi Testamenti ist eine aus zahlreichen Bildserien zusammengesetzte Kupferstichfolge zum Alten und Neuen Testament. Der Antwerpener Verleger Gerard de Jode gab seit 1579 die Bl├Ątter heraus, 1585 erschien eine erweiterte Fassung. In immer wieder neuen Serien zusammengestellt gibt es bei den erhaltenen Exemplaren (z.B. in Madrid,Br├╝ssel,Paris und London) z.T. erhebliche Abweichungen im Aufbau. In der 1.H├Ąlfte des 17. Jahrhunderts gelangten die Kupferplatten in den Besitz des Amsterdamer Verlegers Claes Jansz. Visscher. Visscher druckte seit 1639 nicht nur mithilfe der vorhandenen Platten nach, sondern erweiterte auch den Thesaurus in seinem Theatrum Biblicum durch neue Serien.

Die Entwerfer und Stecher

Der Thesaurus bildet einen repr├Ąsentativen Querschnitt der niederl├Ąndischen Kunst zwischen ca. 1570 und 1610. Einer der ├Ąltesten K├╝nstler – Michiel Coxie (1499-1591) war noch ganz dem klassischen Ideal Raffaels verpflichtet. Aber schon der nahezu gleichaltrige Maarten van Heemskerck (1498-1574) fand in der neuen K├╝nstlichkeit und dem bewegten Pathos der Figuren seine Vorbilder in Michelangelo und Giulio Romano. Der wichtigste und produktivste Entwerfer – Maarten de Vos ( 1532-1603) – pr├Ągte schlie├člich mit seinem antiklassischen Stil ma├čgeblich die graphischen Folgen des Thesaurus. Die Stecher – vor allem Hans Collaert, Jan Sadeler, Cornelis Cort, Harmen Muller, Johann Wierix und Hieronymus Wierix folgten der Manier der Inventoren und setzten neue Ma├čst├Ąbe in der Geschichte der Druckgraphik.

Thema und Inhalt

Thema vieler Bilderserien sind die Lebensgeschichten der zentralen Personen der Bibel. Eine gro├če Rolle spielen dabei die Stoffe des Alten Testamentes, an denen – wie in einer Parabel – die Verfehlungen des s├╝ndigen Menschen vorgef├╝hrt werden. Auch bei den Gleichnissen des Neuen Testaments ist die Verk├╝ndigungsabsicht mit moralischen Lehren verkn├╝pft. In den lateinischen Beischriften wird das Bild jeweils auf diese Weise interpretiert. Der Thesaurus ist jedoch immer auch Sammelobjekt gewesen; ein Publikum, das den Kunstwert der Bl├Ątter goutierte, war daher an den Neudrucken und Erweiterungen im 17. Jahrhunderts sehr interessiert.